Geschichte

Der 18. Juli 1868 gilt als offizielles Gründungsdatum der Freiwilligen Feuerwehr. Aber interessant ist es auch in alten

Akten noch früherer Jahre nachzulesen, wie sehr das Feuerlöschwesen die Gemeinde beschäftigt hat.

In einem Bericht des Großherzoglichen Oberamtes Heidelberg vom 24. März 1834 lesen wir:

,,Die Anschaffung einer Feuerspritze für die Gemeinde Schönau betreffend“

Beschluss

Dem Gemeinderat zu Schönau wird auf seinen Bericht vom 23. d.M. Nr. 96 erwidert, dass zur Bezahlung der

Feuerspritze ca. 250 fl. (Gulden) in der Gemeinde erhoben werden müssen, indem der Staatsbeitrag bekanntlich nur

800 fl. ausmacht. Die Umlage soll jedoch nicht nach dem Brandsteuerkataster, sondern auf die ganze Einwohnerschaft

gemacht werden, da nicht bloß Hausbesitzer, sondern alle Einwohner und künftige Erbauer von Häusern den Nutzen

von der Feuerspritze haben werden. Doch ist diese Umlage bald zu bewirken, damit die Feuerspritze übernommen

werden kann. Wegen des Staatsbeitrages wird man an die höhere Stelle berichten. Jedenfalls muss die Feuerspritze

erst durch einen Sachverständigen geprüft werden.

Heidelberg, den 24. März 1834

„Unterschrift“

Wegen der Anschaffung einer Feuerspritze wendet sich am 2. April 1834 die Gemeinde mit einem ,,Gehorsamsten

Bericht des Gemeinderats in Schönau“ an die Regierung des Unterrheinkreises und schreibt, „dass die Gemeinde

wegen sonstigen dringenden Aufgaben und rückhaltender Schuldposten außerstande sei, eine Feuerspritze anschaffen

zu können.“

Weiter heißt es: „und wir viele dringende Zahlungen, die so arme arg belastete Gemeinde nicht leisten könne, zumal

dieses Jahr ein  Kirchhof angelegt werden muss, weil der Raum im alten Kirchhof zu klein und kein Platz mehr

vorhanden ist die Toten zu beerdigen, wodurch die Gemeinde mehrere Hundert Gulden Kosten erhält, welche bloß und

lediglich durch einzelne Beiträge müssen bestritten werden. Ein Großherzogliche hohe Regierung des

Unterrheinkreises, wolle doch gütigst auf die so arme und bedrängte Gemeinde gegenwärtig mit Anschaffung einer

Feuerspritze Rücksicht nehmen, und noch einige Jahre hiervon Umgang nehmen zu wollen, da nicht nur allein die

Anschaffung einer Feuerspritze große Kosten veranlasst, sondern es ist auch kein Behälter zur Aufbewahrung der

Feuerspritze vorhanden, welche nochmals große Kosten verursachen würde, und die arme Gemeinde außerstande ist,

diese Kosten bestreiten zu können.

„Schönau, am 2. April 1834“

Offensichtlich muss dann aber doch eine Feuerspritze angeschafft, aber nicht vollständig bezahlt worden sein. Denn am

13. Juli 1838 erging ein „Bedingter Zahlungsbefehl“, in dem ein Wilhelm Platz aus Weinheim gegen die Gemeinde

Schönau eine Forderung von 77 fl. (Gulden) für eine Feuerspritze einklagt.

Ein neues Problem war jetzt die Unterbringung dieser Feuerspritze. Am 18. August 1838 unterbreitet Bürgermeister

Scheid hierzu den Vorschlag, die Feuerspritze in einem Behälter unter dem Rathaus im sogenannten Kirchenbogen

aufzubewahren.

Am 14. April 1845 wurde dem Gemeinderat mitgeteilt: „Auf Verfügung des Großherzoglichen Oberamtes vom 3. April ds.

Jhs. die Löscheinrichtungen betr. hat man gestern nach der Vormittagskirche die Gemeinde zusammen kommen

lassen und hat ihnen die betreffende Verfügung eröffnet und jedem Bürger besonders angezeigt, dass er sich bei

vorkommenden Brandausbruch nach unten verzeichneter Einteilung bei seinem Obmann auf der Brandstätte zu

erscheinen habe und nach der ihm zugeteilten Verrichtung mit tätiger Hilfe mitzuwirken habe, zugleich auch jeden

nichtgenannten hiesigen Bürger an seine Pflicht zur Dienstleistung erinnert.“

Danach wurde folgende Einteilung vorgenommen:

zur Feuerspritze hat man beordert:

es folgen die Namen von 16 Männern mit den Obmännern Adam Höpfinger und Michael Feuerstein.

Zu den Hilfseinrichtungen mittels Feuerleitern und Feuerhaken:

es folgen die Namen von 18 Männern mit den Obmännern Joseph Schrotz und Georg Nollert.

Zur Sicherung und Wachhaltung der geretteten Effekten:

es werden 14 Männer namentlich aufgezählt mit den Obmännern Nikkolaus Kuhn und Johannes Schrotz.

Zur Löschung und Wassertragen:

es folgen Namen von insgesamt 138 Männern mit den Obmännern Barth.

Gerbert, Michael Feuerstein, Carl Held, Adam Heinzerling und Chr. Krämer.

Im Jahre 1865, also 3 Jahre vor dem offiziellen Gründungsdatum der Feuerwehr, wurde eine Feuerlösch-Ordnung

„gefertigt“. Danach wurden insgesamt 11 Abteilungen gebildet, die folgende Aufgaben hatten:

    * 1. Abteilung -Zur großen Spritze

    * 2. Abteilung -Zur kleinen Spritze

    * 3. Abteilung -Zur Anlegung von Leitern

    * 4. Abteilung -Zur Anlegung von Leitern

    * 5. Abteilung -Zum Abschlagen von Möbelstücken und Verbringung

    * 6. Abteilung -Zur Verbringung sonstiger Gegenstände

    * 7. Abteilung -Zur Überwachung von Gegenständen

    *  8.-11. Abteilung -Zum Wassertragen.

Jede Abteilung hatte in der Regel zwei Obmänner, daneben werden ca. 250 weitere Männer namentlich genannt.

Am 18. Juli 1868 wurde die Freiwillige Feuerwehr Schönau gegründet. In

einem Gemeinderatsprotokoll vom 16. März 1868 lesen wir:

„Vor versammeltem Gemeinderat wurde heute folgende Beratungen gepflogen: Es wurde von vielen Bürgern eine

Eingabe vorgelegt, worin dieselbe um Errichtung einer freiwilligen Feuerwehr nachsuchen. Nach längerer Beratung

wurde beschlossen: Behufs Errichtung einer freiwilligen Feuerwehr soll dem vorgelegten Entwurf der Statuten die

einstweilige Genehmigung erteilt werden.“

Damit war zwar der Anfang gemacht, doch bald schon zeigte sich, dass die ursprüngliche Begeisterung im Sinken war,

und Verordnungen seitens der Gemeinde notwendig wurden, um die Feuerwehr am Leben zu erhalten. Im Protokoll

vom Dezember 1869 ist vermerkt:

„ Dem Gemeinderatsausschuss wurde die Anzeige erstattet, dass der Mut und der bisher an den Tag gelegte Eifer der

hiesigen Feuerwehr stark gesunken sei und ein Auflösen dieses Corps in Aussicht stehe. Da man eine Aufhebung

dieser Anstalt nicht gerne sehen wird wurde beschlossen:

1. Zur Hebung dieses Instituts soll von jetzt an jeder, der das Bürgerrecht verlangt oder antritt, zur Feuerwehr auf 6 Jahre

eingeteilt werden, vorausgesetzt, wenn derselbe bezüglich seinen persönlichen Verhältnissen und sonstigen

Eigenschaften dazu tauglich ist, worüber der Verwaltungsrat zu entscheiden hat.

2. Hat  jeder neu angehende Bürger nebst den bisher zu zahlenden Taxen noch weitere 3 Gulden zur Feuerwehrkasse

zu zahlen.“

Von Anfang an besteht eine enge Verflechtung zwischen Feuerwehr und Gemeinde. Daher erklärt sich auch, dass die

Gemeinde streng auf die Diensteinhaltung der Feuerwehr achtete.

So entnehmen wir dem Protokoll vom 7. Juni 1871 :

„Vor dem Gemeinderat wurde wegen nachlässiger Übung der Feuerwehr Beschwerde erhoben, weil dieselbe, nicht wie

vorgeschrieben ist, ihre monatlichen Übungen halten; es wurde hierauf beschlossen, sämtliche Mitglieder des

Feuerwehrcorps auf Sonntag, den 11.  d.m. nachmittags 2 Uhr auf das Rathaus vorzuladen, um dadurch den Grund der

Unordnung des Nichterscheinens zu erfragen.“

Trotz dieser anfänglichen Schwierigkeiten wächst die Feuerwehr zu beachtlicher Stärke heran. Bereits i.J. 1870 gehören

52 Männer der freiwilligen Feuerwehr an.

Am 12. März 1874 wurde beschlossen: ,,Sämtliche hiesigen Bürger, welche seit dem Jahr 1861 ihr Bürgerrecht

angetreten haben sind verpflichtet, im Besitz eines Feuerwehreimers, der mit ihrem Namen versehen sein muss, zu

sein. Nach Verlauf von 14 Tagen wird der Gemeinderat eine Revision vornehmen. Diejenigen, welche diesem

Gemeinderatsbeschluss nicht nachgekommen sind, werden einer Strafe von mindestens 1 Thaler verfällt.“

Im Jahr 1877 wird eine neue Feuerlöschordnung erlassen, die besagt:

,,Bei künftigen Brandunglücken haben alle hier wohnenden männlichen Personen von den Jahren 20-40 alsbald auf der

Brandstätte zu erscheinen und der Löschdirektion unbedingten Gehorsam zu leisten. Der Gemeinderat führt die

Kontrolle, und werden die Nichterschienenen alsbald dem Großherzoglichen Bezirksamt zur Anzeige gebracht.“

Besondere Verdienste am weiteren Bestehen und am Aufbau der Freiwilligen Feuerwehr kommt den jeweiligen

Kommandanten zu. Erster Kommandant von 1868 bis 1872 ist Karl Wagner I. Sein Stellvertreter ist Friedrich Schrotz. Es

folgen von 1872 bis 1877 Friedrich Wendel, während des Jahres 1877 J. Scheid, von 1877 bis 1879 Ferdinand Balde,

von 1879 bis zu seinem Tod 1886 Friedrich Bardenstein und von 1886 ebenfalls bis zu seinem Tod 1888 der Chirurg

Valentin Glinz. Sein Stellvertreter ist ein Karl B. Menzer von Beruf Bierbrauer. Von 1888 bis zum Jahr 1900 versieht

Ludwig Reichwein das Amt des Kommandanten. In diese Zeit fällt 1893 auch die Gründung eines Spielmannszuges

innerhalb der freiwilligen Feuerwehr. Eine besonders lebendige Entwicklung nimmt die freiwillige Feuerwehr unter

ihrem Kommandanten Heinrich Bernardi, der vom Jahre 1900 bis zu seinem Tod 1931 sein Amt versieht und in dieser

Zeit eine ungemeine Aktivität entwickelt. Aus den Protokollbüchern ist zu ersehen, wie viele Sitzungen und

Versammlungen von ihm geleitet werden. Ihm stehen treu zur Seite sein Stellvertreter Georg Weilemann, der ebenfalls

bis zu seinem Tode tätig ist sowie Konrad Wilhelm und sein Adjutant Friedrich Münd, der als Schriftführer vorbildlich

Protokoll führt.

Einen Höhepunkt in dieser so erfolgreichen Zeit bildet 1908 das 40-jährige Stiftungsfest, welches in großem Rahmen

durchgeführt wird. Der Chronist berichtet, dass das ganze Städtchen ein Festgewand angelegt hatte, und die Maisonne

vom wolkenlosen Himmel strahlte. „Nach dem Festbankett am Samstag folgte am Sonntag die Tagreveille (Weckruf),

die um 6.30 Uhr die Schläfer weckte. Nach dem Gottesdienst sammelte sich alt und jung beim Gasthaus ,,Zum Roß“,

woselbst die Feuerwehr eine Übung abhielt. Die in allen Teilen präzis und schneidig gemacht wurde. Ein mit den

Gerätschaften ausgeführter Parademarsch schloss den technischen Teil des Tages ab. Das Festessen war im „Roß“

und nach allgemeiner Stärkung und „Löschung“ trat man, wenn auch verspätet, zum Festzug an, an dem sich außer den

hiesigen Vereinen noch 17 auswärtige Feuerwehren beteiligten. Abends war Festball im „Roß“ und ,,Adler“ und so fand

das vom prächtigsten Wetter begünstigte Fest einen schönen Abschluss.“

Zum Feiern von Festen sind die Feuerwehrleute immer aufgelegt. Deshalb wird 1912, anlässlich eines Festabends,

beschlossen: „Der Verwaltungsrat möchte wohllöbliches Bürgermeisteramt bitten, um Verlängerung der Polizeistunde

bis 3 Uhr.“ Damit bei den Feiern aber kein allzu großer Frauenmangel entsteht, darf jeder Feuerwehrmann nur eine

weibliche Person einführen, männliche Personen dürfen nicht mitgebracht werden.

Angesichts der politischen Lage muss auf einige Feste verzichtet werden. Das

50jährige Jubiläum 1918 kann nicht begangen werden. Ebenso wird das

55jährige Stiftungsfest zurückgestellt. Auch in diesem Falle wirkt sich das

Weltgeschehen auf das Vereinsleben aus. Im Hinblick auf die Inflation 1923 wird beschlossen, ,,das Fest bis zu einer

günstigeren Zeit zu verschieben. Die gestiftete Fahnenschleife soll bis auf die Jahreszahl fertiggestellt werden.“

Entsprechend dem Währungszerfall nehmen die Mitgliedsbeiträge in unwahrscheinlichem Maße zu. Im Jahre 1922

beträgt der monatliche Beitrag pro Mann 50 Pfennige, im Januar 1923 erhöht er sich auf 10 Mark, im Juni 1923 auf 200

Mark, um schließlich im August mit 10.000 Mark den Höhepunkt zu erreichen.

Der Mitgliederstand der Freiwilligen Feuerwehr ist stets recht beachtlich. Im Jahr 1922 zählt man 80 aktive und 37

passive Mitglieder, 1923 sind es 85 aktive und 42 passive Mitglieder. Um die Ordnung und Disziplin innerhalb der Wehr

aufrecht zu erhalten, ist man in der Handhabung von Strafen gegenüber den Feuerwehrmännern nie zimperlich. Für

unentschuldigtes Fehlen werden Geldstrafen verhängt. Wer beim Ausrücken oder bei Versammlungen dreimal

entschuldigt oder unentschuldigt ohne wichtigen Grund fehlt, wird rücksichtslos aus der Feuerwehr ausgewiesen.

Desgleichen werden Feuerwehrmänner ausgestoßen, die sich unwürdig benommen haben. Die Finanzlage der

Feuerwehr war nicht immer die beste. Dies kann man einem Beschluss aus dem Jahre 1926 entnehmen: „Es wurde

beschlossen, vorläufig niemand mehr zur Feuerwehr aufzunehmen, da wir keine Mittel haben um

Ausrüstungsgegenstände anzuschaffen; die zuletzt sich melden, kommen auf die Warteliste bis jemand durch Austritt

oder Sterbefall ausscheidet. Außerdem wir niemand mehr bei der Feuerwehr aufgenommen, der über 45 Jahre alt ist.“

Des weiteren wird beschlossen, dass die Mannschaft bei einem Brand oder einer Nachübung einen Zivilrock anziehen

soll, um so die neuen Uniformröcke zu schonen.

Wie bereits erwähnt, besteht seit 1893 ein Spielmannszug innerhalb der Feuerwehr. Seine Tätigkeit wird jedoch durch

den Krieg und die Nachkriegszeit unterbrochen, da man weder für Uniformen noch für Instrumente Geld hat.

Am 1. Februar 1925 stellt der Kommandant den Antrag auf Gründung einer Feuerwehrkapelle. Daraufhin wird zunächst

ein Vertrag mit den Spielleuten abgeschlossen: ,,Unterzeichnete verpflichten sich, als Spielmann 6 Jahre beim Corps zu

verbleiben und keinem anderen Verein ohne Erlaubnis des Kommandanten zu spielen, als der Freiwilligen Feuerwehr.“

Unterzeichnet ist dieser Vertrag von folgenden Spielleuten: Peter Roßnagel, Nikolaus Kilian, Peter Runz, H. Gräber, K.

Steigleder, Kurt Krämer, Karl Huber und Albert Gronki.

Eine Feuerwehrkapelle wird ebenfalls beschlossen, doch dieser Beschluss tritt erst 1930 wirklich in Kraft. Am 30.

Dezember 1930 heißt es im Protokoll: Gründung einer Feuerwehrkapelle am 30. Dezember 1930 heißt es im Protokoll:

„Betr. Gründung einer Feuerwehrkapelle am 18.3.1925.  Heute wurde It. Beschluss der Verwaltung eine

Feuerwehrkapelle gegründet.“ Als Mitglieder der Kapelle unterzeichnen: Friedrich Bernardi, Franz Heiß, Peter Kinzinger,

Fritz Bardenstein, Julius Weilemann, Jakob Winnewisser, Karl Schmitt, Wilhelm Kinzinger, Fritz Kinzinger, Ludiwig Heiß,

Valentin Runz.

Im Jahr 1926 wird unter maßgeblicher Mitwirkung von Daniel Feuerstein die Feuerwehr organisatorisch neu gestaltet.

„Die Wehr bildet für sich eine Kompanie, diese ist einzuteilen in 2 Züge. An der Spitze eines Zuges steht ein Zugführer.

Der 1. Zug besteht aus der Steigermannschaft 1 und 2, der 2. Zug aus der Spritzenmannschaft 1 und 2.“ Ferner wird

bestimmt, dass ab jetzt ein Bataillons-Tambour ernannt werden soll, und als solcher wird Andreas Heiß vorgeschlagen.

Nach dem Tode von Andreas Heiß wird Johann Heiß zum Tambour ernannt. Als Spielleute werden 1932 Sebastian

Breihof, Karl Naber, Nikolaus Rein, Karl Henrich und Hans Gärtner unter Vertrag genommen. Der Mitgliederstand im

Jahr 1929 weist 95 aktive und 45 passive Mitglieder aus.

Die Weltwirtschaftskrise geht nicht unbemerkt an der Feuerwehr vorüber. So ist man bemüht, den arbeitslosen

Kameraden eine Unterstützung zu zahlen, war dazu aber nicht in der Lage, da die Feuerwehr nur noch 56 zahlende

Mitglieder hatte, denn die Arbeitslosen waren sowieso beitragsfrei.

Am 4. Oktober 1931 beginnt mit der Wahl von Daniel Feuerstein zum Kommandanten ein bedeutender Abschnitt in der

Geschichte der Schönauer Feuerwehr. Ihm ist es nicht nur vergönnt, die längste Kommandantenzeit von 36 Jahren

anzutreten, sondern ihm fällt auch gleichzeitig die verantwortungsvolle und schwere Aufgabe zu, die Feuerwehr über die

Zeit des 2. Weltkriegs zu leiten und sie nach dem Zusammenbruch wieder neu zu formieren. Der Machtantritt Hitlers in

Deutschland im Jahr 1933 und die nachfolgende Gleichschaltung bringt für die Schönauer Feuerwehr einige

Änderungen mit sich. Es ist auffallend anhand der Protokolle festzustellen, wie das Eigenleben der Wehr mehr und

mehr durch Gesetze und Verordnungen „von oben“ beeinträchtigt wird. Am 8. Juni 1933 wird die Gleichschaltung nach

den Richtlinien des badischen Landesfeuerwehrverbandes vollzogen. Interessant sind folgende Vergleichszahlen: im

Jahr 1933 werden noch 14 Sitzungen und 2 Versammlungen abgehalten. Im Jahr 1935 sind es nur noch 3 Sitzungen

und eine Versammlung.

Im Protokollbuch steht darunter vermerkt: ,,Sonst brauchten keine Versammlungen und Sitzungen abgehalten zu

werden, da der Kreis bestimmt, was gemacht werden soll und muss.“

Im Jahr 1936 ergeht eine neue Kreissatzung, wonach die Feuerwehr neu gegliedert werden muss.

„Die Wehr gliedert sich in einen Löschzug mit 2 Halbzügen. Die Benennung ‚Kommandant‘ entfällt weg und wird durch

‚Oberbrandmeister‘ ersetzt.“

Am 23. November 1936 wird schließlich die Freiwillige Feuerwehr auf Grund eines ministeriellen Runderlasses

aufgelöst und neu gegliedert „um die deutschen Wehren auf eine einheitliche Linie zu bringen“. Der Auflösung der

Feuerwehr folgt gleichzeitig der Beschluss über die Eintragung der Freiwilligen Feuerwehr in das Vereinsregister des

Amtgerichts Heidelberg. Ab jetzt trägt sie den Namen ,,Freiwillige Feuerwehr Schönau b.H. e.V.“.

Im Jahr 1937 nimmt die Feuerwehr in Verbindung mit dem Reichsluftschutzverband an Nachtübungen teil. Brandobjekt

ist das ,,Neue Schulhaus“, als Brandursache wird Bombeneinschlag angenommen. Die Feuerwehr trägt ab jetzt den

Namen „Feuerlöschpolizei“. Diese besteht fast nur noch aus Reservemännern, also älteren bzw. auch ganz jungen

Männern, da die aktiven Feuerwehrmänner fast alle zum Militärdienst eingezogen sind. Zuge der Gleichschaltung wird

die Feuerwehr stark politisch ausgerichtet und aktiviert. Dies zeigen folgende Protokollnotizen: Eine Einladung des

Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold zu einer Kundgebung im Jahr 1932 wird noch mit der Begründung abgelehnt, „dass

Feuerwehr politisch neutral sei“.

Im Jahr 1933 dagegen wird beschlossen, dass die Feuerwehr an der Geburtstagsfeier des Reichskanzlers Hitler

teilnimmt.

„Im April 1938 führt der Spielmannszug Propagandamärsche in Wilhelmsfeld, Heiligkreuzsteinach und Altneudorf durch.

Anlass hierzu ist die Wahl zum Großdeutschen Reichstag. Am 10. April 1938 tritt die Wehr geschlossen zur Wahl an.“

Besonders schwierig und gefahrvoll ist die Aufgabe der „Feuerlöschpolizei“  während der Kriegsjahre. Insgesamt ist die

Schönauer Wehr unter ihrem Kommandanten Daniel Feuerstein 16 mal zur Fliegerbrandbekämpfung in Mannheim

eingesetzt. Nach diesen schweren Löscheinsätzen wird ihr Kommandant mit dem Verdienstkreuz ,,ohne“ und ,,mit

Schwertern“ ausgezeichnet.

Nach dem Zusammenbruch 1945 beginnt sich der Dienst der Freiwilligen Feuerwehr schon bald zu normalisieren,

wobei neben zahlreichen Übungen auch wieder Kameradschaftsabende abgehalten werden. Einen Höhepunkt in der

Nachkriegsgeschichte der Freiwilligen Feuerwehr bildet 1958 das 90jährige Stiftungsfest, welches gemeinsam mit den

Betriebsfeuerwehren der Firmen Freudenberg und Daut sowie vielen auswärtigen Wehren festlich begangen wird.

Anlässlich dieses Festes kann Bürgermeister A. Stumpf ein neues modernes Löschfahrzeug der Feuerwehr

überreichen. Daneben gibt es bereits seit 1955 ein kreiseigenes Tanklöschfahrzeug, welches ebenfalls in Schönau

stationiert ist.

Im Zusammenhang mit dem 90jährigen Fest erfährt der alte Spielmannszug unter der Leitung seines Tambourmeisters

Ludwig Heiß seine Wiedergründung.

Viele Jahre erfolgreichen Wirkens der Feuerwehr folgen, in denen die Wehr bei vielen Übungen und

Leistungswettkämpfen ihre Schlagkraft immer wieder unter Beweis stellt und die verschiedensten Leistungsabzeichen

erringen kann. Diese Erfolge entspringen vor allem dem Idealismus und der Einsatzbereitschaft der Feuerwehrmänner

sowie ihrer jeweiligen Kommandanten.

Einer dieser Kommandanten soll besonders erwähnt werden, da er fast ein halbes Jahrhundert die

Feuerwehrgeschichte aktiv mitbestimmt hat, nicht zuletzt durch seine 36jährige Kommandantenzeit. Daniel Feuerstein

tritt 1921 in die Freiwillige Feuerwehr Schönau ein, in der er schon nach kurzer Zeit Gruppenführer und im Jahr 1931

zum Kommandanten gewählt wird.

Im Jahr 1936 wird er zum Bezirksbrandmeister ernannt. In den Jahren 1960 und 1966 wird ihm durch die Überreichung

des Feuerwehr-Ehrenkreuzes in „Silber“ und ,,Gold“ eine besondere Ehre zuteil. Am 14. September 1967 wird Daniel

Feuerstein zum Ehrenkommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Schönau ernannt. Gleichzeitig wird durch ihn, im

Auftrag des Bürgermeisters und mit Einverständnis des Kreisbrandmeisters, der seitherige Gruppenführer Erwin

Schleusener nach vorausgegangener Wahl durch die Wehrmänner zum Oberbrandmeister und somit zum neuen

Kommandanten ernannt.

Dem neuen Kommandanten Erwin Schleusener fällt die verantwortungsvolle Aufgabe zu, 1968 das 100jährigeJubiläum

der Freiwilligen Feuerwehr verbunden mit dem 75jährigen Bestehen des Spielmannszuges auszurichten. Unter der

Schirmherrschaft von Schildhauer und mit Bürgermeister Adolf Stumpf als Festpräsidenten wird drei Tage lang zünftig

gefeiert. Höhepunkt ist eine große Schauübung sowie der Festzug, bei dem 49 Vereine, Wehren und Spielmannszüge

beteiligt sind. Tausende von Menschen säumen die Straßen und bilden Spalier.

In das Jubiläumsjahr 1968 fällt auch die Gründung einer Jugendfeuerwehr.

Seitdem sind über 25 Jahre vergangen und der folgende kurze Rückblick soll die wichtigsten Ereignisse dieser Zeit

noch einmal in Erinnerung bringen:

1969/70: Nach jahrelanger Diskussion um den Standort eines neuen Feuerwehrgerätehauses für die

Stützpunktfeuerwehr des Steinachtales stimmt der Gemeinderat dem Kauf des Rohbaues eines Fabrikgebäudes der

Firma Bordne zu und damit die Voraussetzungen für das heutige

Feuerwehrgerätehaus im Rahmengarten.

1970: Das silberne Leistungsabzeichen wird errungen.

1972: Kreisjugendfeuerwehrtag in Schönau.

1973: Übergabe eines neuen Tanklöschfahrzeuges durch die Stadt Schönau.

1974:  „Tag der offenen Tür“ zur Besichtigung der technischen Räume des neuen Feuerwehrgerätehauses. Die

endgültige Fertigstellung des Gebäudes mit Aufenthalts- und Unterrichtsräumen erfolgt erst 1975.

1975: Seit der Gemeindefusion von Altneudorf und Schönau finden jährlich mindestens zwei gemeinsame Übungen der

Schönauer und Altneudorfer Wehren statt, abwechselnd in den Stadtteilen.

1978: Die neue, moderne Funk-Alarmierungsanlage wird in Betrieb genommen. Fritz Oster erwirbt sich in diesem

Zusammenhang besondere Verdienste  u.a. auch als Ausbilder für den Funksprechverkehr.

11. Februar 1978: Die erste gemeinsame Hauptversammlung der Wehren von Schönau und Altneudorf findet statt. Zum

gemeinsamen Kommandanten wird Erwin Schleusener und als Stellvertreter Hans Gölz gewählt. Die Gesamtstärke der

Wehren beträgt zusammen 120 Mann.

2. September 1978: Die Feuerwehr Schönau begeht in einem Festbankett ihr 110jähriges Jubiläum. Die Festansprache

hält Bürgermeister Hafendörfer, der bei dieser Gelegenheit den Kommandanten Schleusener zum Stadtbrandmeister

ernennt. Kreisbrandmeister Michels überreicht dem Kommandanten für besondere Verdienste das Verdienstkreuz in

Silber. Ebenfalls geehrt wird Herbert Schmitt. Für 25 Jahre aktiven Dienst erhält er das Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber.

1979: Dem Landesfeuerwehrverband werden erstmals 6 Frauen bzw. Mädchen gemeldet, die in der Schönauer Wehr

tätig sind.

1980: Für 50jährige Mitgliedschaft wird Sebastian Breihof geehrt. Im April findet eine große Waldbrandübung –

Katastrophenübung zusammen mit den Wehren Schönau, Altneudorf, Wilhelmsfeld, Heiligkreuzsteinach, Lampenhain

und Heddesbach statt. Zwei Gruppen der Schönauer Wehr erringen das silberne Leistungsabzeichen.

1981: Ein neuer Mannschafts-Transportwagen steht zur Verfügung. Die Finanzierung erfolgt zum Teil aus Eigenmitteln

der Feuerwehr. Bei der Leistungsprüfung in Leimen erringen erstmals zwei Gruppen der Freiwilligen Feuerwehr

Schönau das begehrte Leistungsabzeichen in Gold.

1982: Seit dem ersten Schönauer Altstadtfest ist die Feuerwehr hierbei regelmäßig mit einem Bewirtungszelt aktiv

beteiligt.

1983: Die Schönauer Wehr ist Ausrichter für die große Waldbrandübung des Steinachtales. Erstmals wird das

Leistungsabzeichen in Schönau abgenommen. Zwei Gruppen erringen „Silber“

1984: Ein Waldbrand im Bereich Vogelherd wird gelöscht.

1985: Das Feuerwehr-Ehrenkreuz erhalten in Gold Jakob Heitzmann für 40jährigen, in Silber Horst Rahn für 25jährigen

aktiven Dienst.

1986: Im Rahmen seiner Hörer-Wanderung erhält Schönau Besuch vom Kurpfalz-Radio. Die zahlreichen Gäste werden

von der Feuerwehr gut und reichhaltig bewirtet. Erneut erringen zwei Gruppen der Wehr das Leistungsabzeichen in

Gold. Das Feuerwehr-Ehrenzeichen in Gold für 40jährige aktive Mitgliedschaft erhalten folgende Feuerwehrkameraden:

Karl Hufnagel, Helmut Jaich, Karl Mannschott, Josef Müller, Helmut Rehberger (Altneudorf) und Erwin Schleusener.

1987: Der Gemeinderat der Stadt Schönau beschließt die Anschaffung eines Rüstwagens (RW1).

9. Januar 1988: Horst Rahn wird zum neuen Abteilungskommandanten gewählt, sein Stellvertreter wird Hans Henze.

23. Januar 1988: „Wachablösung bei der Feuerwehr“ und „Eine Ära geht zu Ende“, das sind die Schlagzeilen aus der

Presse anlässlich der Ehrung der ausscheidenden Kommandanten Erwin Schleusener und Hans Gölz durch

Bürgermeister Philipp Krämer. Erwin Schleusener, 40 Jahre aktives Mitglied und 20 Jahre Kommandant, sowie Hans

Gölz, 40 Jahre aktives Mitglied und Jahre Kommandant, werden beide zu Ehrenkommandanten ernannt und erhalten

vom Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes als höchste Auszeichnung die Ehrenmedaille des Verbandes.

Ebenfalls verabschiedet wird der Stellvertretende Abteilungskommandant Karl Laumann, der 15 Jahre lang als

Stellvertreter von Schleusener tätig war. Zu Nachfolgern der Gesamtwehr werden gewählt:

Erster Kommandant: Horst Rahn

Stellvertretender Kommandant: Erich Rehberger (Altneudorf)

Was 1988 noch geschah:

– Walter Hufnagel, Tambour des Spielmannszuges wird zum Brandmeister befördert.

– Nach 20jähriger Tätigkeit gibt der Kassenwart Karl Mannschott sein Amt an Walter Roßnagel weiter.

– Die Jugendfeuerwehr feiert ihr 20jähriges Bestehen (Sept. 1988) in Verbindung mit einer großen Schauübung der

Jungwehren des Unterkreises IV.

– Im Rahmen der Feierlichkeiten wird Kommandant Rahn von Bürgermeister Krämer zum Stadtbrandmeister ernannt.

– Im Oktober findet eine großangelegte Vollübung statt, der eine simulierte Unwetterkatastrophe im Steinachtal

vorausging. Im Einsatz waren 5 Bergungszüge des THW, 500 Feuerwehrleute, sieben Sanitätseinheiten sowie Ärzte und

Funktrupps. -Umfangreiche An- und Umbauarbeiten am Feuerwehrgerätehaus werden in Eigenarbeit ausgeführt.

1989: Klaus Lauer (sen.) und Karl Mannschott erhalten die Feuerwehr-Ehrennadel des Rhein-Neckar-Verbandes in

Silber für 40jährige Zugehörigkeit zur Freiwilligen Feuerwehr. Der Stellvertretende Kreisbrandmeister Keilbach ehrt Karl

Laumann mit dem Feuerwehr-Ehrenzeichen in Gold für 40 Jahre aktiven Dienst bei der Feuerwehr. Der Spielmannszug

unter Walter Hufnagel erringt bei einem Wertungsspiel bei Bonn einen Ehrenpokal. Klaus Lauer (sen.) und Gerhard

Weiher werden für 30jährige Zugehörigkeit zum Spielmannszug geehrt.

1990: Hans Henze und Karl Kern erhalten für 25 Jahre Zugehörigkeit zur Feuerwehr das Ehrenzeichen in Silber.

1991: Stadtbrandmeister Horst Rahn erhält das Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber.

1992: Anlässlich der 850-Jahrfeier der Stadt Schönau gestalten die Wehren aus Altneudorf und Schönau aktiv das

„Odenwälder Schlachtfest“ auf dem Marktplatz. Höhepunkt ist außerdem eine „historische Übung“, bei der die

Löscharbeiten im Wandel der Zeit gezeigt werden. Für Beteiligte und Zuschauer ein großartiges Spektakel mit viel

,,Gaudi“.